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Viele Generationen haben den Verein begleitet und haben dafür gearbeitet, dafür gestritten, gelitten aber sich auch daran erfreut und anderen Freude bereitet. Wir wollen die Jahre des Beginns dieser Männerkameradschaft näher betrachten. Wir kennen als Gründer Anno 1905 Emil Engelhard, Wilhelm Fricke, Albert Reiher und Friedrich Vendt.
Es waren keine ruhigen Jahre, als sich Emil Engelhard, Wilhelm Fricke, Albert Reiher und Friedrich Vendt mit vielen anderen zu einem Verein zusammen schlossen.
Schriftliche Aussagen aus den ersten Jahren besitzen wir nicht. Sicher wissen wir, dass der MGV ab 1919, dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Beginn einer neuen Ära, bei Gustchen Tante für 47 Jahre bis 1966 singen konnte. Gustchen Tante, die am 11. Mai 1897 geborene und 1999 mit 102 Jahren gestorbene Frau Anna Otte, hat viel für "ihre" Männer gerackert. Sie und ihr Mann Karl wurden als Vereinswirte 1966 vom Hax´n-Koch abgelöst, als dieser die Gaststätte übernahm. Unsere Singabende waren dort aber nicht mehr ungestört. Sehr oft lief der Fernseher, besonders bei Fußballübertragungen, so dass von ordentlichen Singabenden keine Rede sein konnte.

Da keine Besserung abzusehen war, wechselte der Verein ab dem 16. Mai 1973 in die Gaststätte Heinrich und Renate Heinemann, die beide bis Ende 1995, als sie in den verdienten Ruhestand wechselten, auch immer für uns bereit waren.

Aus Sauingen kam unser erster Dirigent. Herr Mumm war Lehrer der dortigen Dorfschule. Er setzte die ersten musikalischen Akzente. Aus der Zeit bis 1946 gibt es leider keine schriftlichen Unterlagen, so dass wir uns nur auf mündliche Aussagen stützen können. Hervorheben wollen wir, was in älteren Chroniken immer erwähnt wird, die Geselligkeit des Männergesangvereins Bleckenstedt und hier besonders die alljährlichen Feiern an Himmelfahrt, dem Vatertag. Damals üblicherweise mit der ganzen Familie. Man fuhr mit dem Pferdewagen in den Wald, beladen mit Tischen, Stühlen, Essen und Getränken. Der MGV sang Lieder und das ganze Dorf feierte mit. Der Dirigent war Mitglied der Tanzkapelle "Pinkernelle" aus Wolfenbüttel und die war immer mit von der Partie.

In diesen Jahren wurde auch innerhalb des MGV eine Kapelle gegründet. Ferdinand Lehne, Louis Jörns, David Meyer, Friedrich Vendt und Kapellmeister Gustav Walkemeier spielten sehr oft bei Tanzveranstaltungen.
Die Aktiven führten jährlich Theaterstücke auf, auch in den umliegenden Gemeinden. Es war also etwas los in Bleckenstedt, es gab ja auch noch keine Fernseher und Computer.
Eine Besonderheit der ersten MGV-Jahre soll unvergessen bleiben: Dirigent Robert Neumann kam regelmäßig von Wolfenbüttel zu Fuß nach Bleckenstedt, leitete unseren Chor, übernachtete in Bleckenstedt und ging tags darauf wieder zu Fuß nach Hause - eine tolle Leistung!

Ab 1946 ist diese Chronik authentisch und durch Aufzeichnungen in unserem Protokollbuch belegbar.
Im Jahr 1946 fand die erste Versammlung nach dem 2. Weltkrieg statt. Anwesend waren u. a. auch die Gründer und Mitglieder seit 1905 Wilhelm Fricke und Albert Reiher. Zum 1. Vorsitzenden wählte man Albert Meine, der den Verein bis 1952 führte. Hier ein Auszug aus dem damaligen Protokoll:

"Die harten Kriegsjahre und dessen Auswirkungen zwangen auch unseren Verein, von 1940 - 1946 die Tätigkeit ruhen zu laßen. Im Januar 1946 faßten einige alte Mitglieder den Entschluß, den Verein auf´s neue ins Leben zu rufen um das Deutsche Lied wieder in unserem Dorf zu hegen und zu pflegen. Schnell hatte es sich durch eine Bekanntmachung im Dorf und auch in Sauingen herumgesprochen, daß die alten Sangesbrüder und die neuen, aus ihrer Heimat vertriebenen Einwohner, sich zu einer Versammlung in der Gaststätte Karl Otte einfinden mögen."
So weit das Zitat aus dem alten Buch. Viele Interessenten trafen sich an jenem Januarabend und der Neuanfang war geschafft. Erster Dirigent wurde ab März 1946 der unermüdliche Fußgänger Robert Neumann, er kam jetzt mit Fahrrad von Wolfenbüttel nach Bleckenstedt. Im Dezember hatte der Verein schon 51 Mitglieder und Anfang 1947 wurde ein Damenchor gegründet.
Die Übungsabende mussten 1947 kurzfristig ausfallen, die Militärpolizei hatte unseren Dirigenten Neumann bis Ende 1948 in Schutzhaft genommen. Zwischenzeitlich dirigierte Hermann Klose, ein Lehrer aus Schlesien, den Chor. Da er kein gelernter Chorleiter war, ging die Dirigentensuche weiter. Ein alter Bekannter, Heinrich Sebesse, übernahm noch 1947 die Chorleitung bis Robert Neumann aus der Haft entlassen wurde. In den Wirrnissen dieser Zeit löste sich auch der Damenchor wieder auf.
1950 feierten wir das 45jährige Bestehen mit einem großen Sängerfest in einem Festzelt. Es wurde getanzt, getrunken und gelacht.
Bei uns gab es 1950 einen Trauerfall. Dirigent Robert Neumann schied freiwillig aus dem Leben. Er hatte 28 Jahre die Chorleitung, 28 Jahre regelmäßig Wolfenbüttel - Bleckenstedt und zurück! Noch im gleichen Jahr übernahm sein Bruder, Hermann Neumann, die Pflichten eines Chorleiters in Bleckenstedt bis 1964. Auch er kam immer mit dem Fahrrad und behielt bei öffentlichen Auftritten meist die Fahrradspangen an der Hose, eine Eigenheit.

Die weiteren Dirigenten des Männergesangvereins Bleckenstedt bis heute:

1964 bis 1966 Hermann Bassi aus Wolfenbüttel;
1967 bis 1973 Heinrich Effenberg aus Braunschweig, den ab Sommer 1972 immer ein Autobesitzer aus Braunschweig abholen und auch wieder zurück bringen musste, um wöchentlich singen zu können.
1973 bis 1976 Hans Pernau, den der MGV dann mangels Mitglieder und Singfähigkeit nicht mehr behalten konnte.
Von Mitte 1976 bis 1978 ruhte der regelmäßige Gesang. Dann stiegen die Zahlen der Aktiven wieder, einige Unentwegte hatten sich auch in den schwierigen Jahren regelmäßig getroffen, es gab auch einige wenige Ständchen.
1979 bis 1994 leitete Rainer Trapold den Chor, bis dann bedingt durch seine sich häufenden Musiktermine und seine unregelmäßige Zeit für unseren Chorgesang, eine andere Lösung gesucht wurde.
Ab Oktober 1994 bis 1996 leitete Hans Pernau wieder den Chor.
Ab 1997 hatte dann Rainer Trapold neben seiner Bandtätigkeit wieder mehr Zeit und leitet den Chor zu aller Zufriedenheit.
Auch in der Führungsetage gab es einige Wechsel. Bei der Jahreshauptversammlung des Jahres 1952 übernahm Albert Wildschütz den Vorsitz und führte den MGV bis zur Mitte der sechziger Jahre. Er schied am 13. Juni 1970 ebenfalls freiwillig aus dem Leben und es war für alle Sangesbrüder ein herber Verlust. Von 1967 bis 1979 führte Günter Bartels den Verein und ab 1980, seit nunmehr 25 Jahren, heißt unser 1. Vorsitzender Eckhard Lobermeier.
Einige größere gefeierte Jubiläen dürfen nicht unerwähnt bleiben: Das 50jährige Stiftungsfest 1955, das Jahr. Dann das Jahr 1965, unser 60jähriges Stiftungsfest in Bleckenstedt.
Mitgliederschwund in den siebziger Jahren verhinderte leider das 70jährige Stiftungsfest. Das wurde aber besser vom 11. bis 13. August 1980 beim 75jährigen Bestehen des Chores. Viele Schwierigkeiten mussten überwunden werden, ehe das Festzelt in Eigeninitiative auf dem Sportplatz stand. Aber immerhin erschienen als Gratulanten Oberbürgermeister Willy Blume und Ortsbürgermeister Andreas Schöps zum Kommers. Viel Freude hatten alle Teilnehmer mit der Tanzkapelle unseres Dirigenten Rainer Trapold.
Ein Vorläufer des späteren "Tanz in den Mai" gab es 1985 beim 80jährigen Stiftungsfest. Die Mitglieder des MGV und die Bürger Bleckenstedts trafen sich wieder im Festzelt auf dem Sportplatz. Für Stimmung sorgte abermals Rainer Trapold mit seiner Showband "Airport."

Unsere Fahne, leicht bis schwer lädiert durch die Jahre gekommen, wurde für 2500 DM mit Hilfe von Spendengeldern der Mitglieder restauriert und strahlt ab dem 30. April 1985 in neuem Glanz. Wieder gaben uns ein Oberbürgermeister, diesmal Rudolf Rückert und Ortsbürgermeister Andreas Schöps die Ehre beim Kommers. Zudem nahm auch der zweite Vorsitzende des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes, Herr Franz Lux, an unserer Feier teil. Ehrengast aber war Frau Otte, unsere Vereinswirtin von 1919 bis 1966, die trotz ihrer 88 Jahre den Weg zu uns nicht scheute.
Groß gefeiert wurde dann 1995 unser 90jähriger Geburtstag in Kramers Tanzpalast in Üfingen. Aufgetreten wurde in der neuen Uniform mit roter Jacke (225 DM), schwarzer Hose und Fliege. Es gratulierten Ortsbürgermeister Klaus Steffen sowie Ernst Mein, Vorsitzender des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes (DAS)/Nordharz. Im Dezember des gleichen Jahres schloss dann unser Vereinslokal Heinemann und der MGV übt seitdem mittwochs im Sportheim in Bleckenstedt.

Im Jahr 2001 wurde die Vereinsuniform durch rote Westen ergänzt, die bei schönem Wetter den Jacken vorgezogen werden und seit 2003 besitzt der Chor eine eigene Satzung, die eng an die Vorlage des DAS angelehnt ist. Ab Januar 2003 findet der erste monatliche Übungsabend aus finanziellen und akustischen Gründen in der Alten Schule statt. In seinen Aktivitäten wurde der MGV nie müde. Traditionen wie Vatertag, Spargelessen, Braunkohlessen, Sparschweinleerung und Weihnachtsfeier wurden gepflegt und den veränderten Bedingungen angepasst. Hinzu kamen unregelmäßige Höhepunkte wie Frühlingsfeste und Ständchen zu unterschiedlichen Anlässen. 1994 entstand die erste Studioaufnahme des MGV und die erste Musikkassette. Weitere, aktuelle Aufnahmen sollen zum 100jährigen Stiftungsfest auf einer CD folgen. Diese wird dann käuflich zu erwerben sein. Im Jahr 2005, dem 100jährigen Stiftungsfest, wird dem MGV Bleckenstedt die Zelter-Plakette des Bundespräsidenten "...für besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes und damit um die Förderung des kulturellen Lebens..." verliehen. (Carl-Friedrich Zelter 1758 - 1832; Komponist; Singakademie Berlin; Institute für Kirchen- und Schulmusik Königsberg und Berlin).
100 Jahre MännerGesangVerein Bleckenstedt! Möge die Zukunft uns allen bringen, was wir wünschen - Gesundheit und mehr Frieden als in den soeben an uns vorübergezogenen ersten 100 Jahren des MGV in Bleckenstedt.